
Lokale Klimaanpassung wird in den kommenden Jahren erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben. Umfang und Tempo der Anpassung bestimmen mit, wie stark physische Klimarisiken künftig auf Regionen, Wirtschaftsstrukturen und Vermögenswerte wirken. Für regionale Kreditinstitute ergibt sich daraus die Frage, wie sich diese Entwicklungen mittel- bis langfristig in der eigenen Risikoexposition niederschlagen können.
Ein Blick auf die gesamtwirtschaftlichen Schäden und die notwendigen Investitionen in Deutschland zeigt, dass Klimaanpassung bereits heute ökonomisch relevant für die Eindämmung von Klimafolgekosten ist.
Eine vom Bund beauftragte Studie zu den Klimafolgekosten in Deutschland kommt zu dem Ergebnis, dass die wirtschaftlichen Schäden durch Wetterextreme zwischen 2000 und 2021 mindestens 145 Milliarden Euro betrugen. Allein seit 2018 entstanden Schäden von rund 80 Milliarden Euro, wobei die Flutkatastrophe 2021 im Ahrtal mit über 40 Milliarden Euro besonders ins Gewicht fiel. Für den Zeitraum bis 2050 schätzt die Studie, je nach Klimaszenario, kumulierte Schäden zwischen 280 Milliarden und 900 Milliarden Euro.
Diese Zahlen verdeutlichen das erwartbare Ausmaß physischer Klimarisiken in Deutschland und bilden den makroökonomischen Rahmen für regionale Klimaanpassung.
Um das Schadensausmaß zu begrenzen, sind erhebliche Investitionen notwendig, damit Regionen und Kommunen widerstandsfähiger gegenüber Klimarisiken werden. Laut Umweltbundesamt beliefen sich die Ausgaben des Bundes für Klimaanpassung im Bundeshaushaltsplan 2022 je nach Abgrenzung zwischen 2,07 Milliarden und 3,41 Milliarden Euro.
Hinweise zur Größenordnung des notwendigen Investitionsbedarfs liefern kommunale Bedarfsschätzungen. KfW Research beziffert den kommunalen Investitionsbedarf für Klimainvestitionen insgesamt auf rund 5,8 Milliarden Euro pro Jahr. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund geht in einer Stellungnahme durch seinen Hauptgeschäftsführer von Investitionsbedarfen von mindestens 8 Milliarden Euro pro Jahr für Klimaschutz und Klimaanpassung in den Kommunen aus. Diese Schätzungen beziehen sich auf den notwendigen Investitionsbedarf und sind keine ausgewiesenen Ausgaben, sondern fachliche Einordnungen der Größenordnung, die die kommunale Planung und Finanzierung herausfordern..
Diese Zahlen geben einen ersten Anhaltspunkt zu den bislang ausgewiesenen Bundesausgaben für Klimaanpassung. Systematische Angaben zu den tatsächlich getätigten Ausgaben von Ländern und Kommunen liegen bislang nicht vor, ebenso wenig zu privaten Investitionen in Klimaanpassung, etwa zur Absicherung von Produktionsstätten oder Wohngebäuden gegen Hochwasser und Sturzfluten. Vorhandene Bedarfsschätzungen beziehen sich zudem häufig auf Klimainvestitionen insgesamt und unterscheiden nicht durchgängig zwischen Klimaschutz und Anpassung.
In der Gesamtschau deuten die verfügbaren Daten jedoch darauf hin, dass zwischen bereits eingetretenen klimabedingten Schäden, identifizierten Investitionsbedarfen und bislang sichtbar mobilisierten Mitteln eine relevante Diskrepanz besteht. Mit fortschreitendem Klimawandel ist zu erwarten, dass sich diese Diskrepanz weiter vergrößert, sofern Anpassungsinvestitionen nicht deutlich ausgeweitet werden. Für Regionen und Kommunen gewinnt damit die Frage an Bedeutung, wie notwendige Anpassungsmaßnahmen zeitlich und finanziell umgesetzt werden können.
Übertragung physischer Klimarisiken auf Bankrisiken
Aus Sicht von Regulierung und Aufsicht gelten klimabezogene Risiken als Treiber bestehender Risikoarten. Das Basel Committee on Banking Supervision beschreibt in seinem Bericht zu klimabedingten Risikofaktoren und ihren Übertragungswegen (Climate-Related Risk Drivers and Their Transmission Channels), wie physische Klimarisiken über Auswirkungen auf Schuldnerbonität, Vermögenswerte und Sicherheiten in Kreditrisiken übergehen können.
Auch die Europäische Zentralbank greift diese Logik auf. Der EZB-weite Klimastresstest (ECB Economy-Wide Climate Stress Test) modelliert unter anderem, wie physische Schäden über Immobilienwerte und andere Vermögenspositionen Verlustparameter wie Loss Given Default beeinflussen können.
Für regionale Kreditinstitute ist damit klar umrissen, über welche Kanäle physische Risiken in die eigene Risikoexposition einfließen können.
Sicherheiten, Immobilienwerte und Versicherbarkeit

Ein wichtiger Bereich, in dem physische Klimarisiken ihre Wirkung entfalten, betrifft Immobilien als Kreditsicherheiten. Empirische Studien, wie beispielsweise die von Gruhl et al. (2025), zeigen, dass Hochwasserrisiken und andere klimabedingte Gefährdungen in bestimmten Regionen mit Preisabschlägen oder erhöhter Volatilität einhergehen können. Dabei verlaufen Marktanpassungen nicht einheitlich, sondern regional und zeitlich unterschiedlich.
Neben dem reinen Marktwert gewinnt zunehmend die Versicherbarkeit von Immobilien an Bedeutung. In hochwasser- oder starkregenexponierten Gebieten steigen Prämien und Selbstbehalte, oder es kommt zu Ausschlüssen bestimmter Risiken. Für Kreditinstitute erweitert sich damit das Steuerungsspektrum: von der Anforderung einer Elementarschadenversicherung über risikoadäquate Konditionen bis hin zu Ausschlusskriterien in besonders exponierten Zonen.
Diese Betrachtungen zeigen, dass physische Klimarisiken über langfristige Wertfragen hinaus bereits heute Einfluss auf Sicherheitenqualität und Kreditkonditionen nehmen können. Damit wird die Versicherbarkeit zunehmend zu einem indirekten Steuerungsinstrument im Kreditprozess, insbesondere bei Neubauten oder wesentlichen Investitionen in Risikozonen.
Bonität regionaler Unternehmen und Haushalte
Physische Klimarisiken wirken sich auch auf die Ertragslage regionaler Unternehmen aus. Extremwetterereignisse können Produktionsprozesse unterbrechen, Infrastruktur beeinträchtigen oder zusätzliche Kosten, beispielsweise durch Störungen in der Lieferkette, verursachen. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen verfügen häufig nur über begrenzte Möglichkeiten, um kurzfristig auf solche Auswirkungen zu reagieren.
Eine empirische Untersuchung der Deutschen Bundesbank zum Sommerhochwasser 2013 zeigt, dass Naturereignisse in betroffenen Regionen messbare Effekte auf Bankkennzahlen haben können, unter anderem auf Wertberichtigungen.
Diese Ergebnisse unterstreichen, dass physische Klimarisiken über die Bonität von Kreditnehmern in klassische Kreditrisiken übergehen können, häufig zeitverzögert.
Regionale Risikoexposition und Konzentrationseffekte

Regionale Kreditinstitute sind ihrem Geschäftsmodell entsprechend geografisch fokussiert. Die Kundennähe vor Ort in der Region ist eine Stärke, kann aber im Zusammenspiel mit räumlich korrelierten Klimarisiken zu erhöhten Konzentrationseffekten führen. Wetterextreme treten häufig entlang geografischer Muster auf, etwa in Flusstälern, urbanen Hitzeinseln oder topografisch exponierten Lagen.
Die aggregierten Schadensdaten für Deutschland zeigen, dass klimabedingte wirtschaftliche Verluste regelmäßig mehrere Milliarden Euro pro Jahr erreichen. Für die Portfolios regionaler Institute kann das zunehmend dazu führen, dass physische Risiken nicht nur einzelne Engagements betreffen, sondern potenziell ganze Teilportfolios beeinflussen können. Je nach Klimaszenario können diese Effekte in den kommenden Jahren und Jahrzehnten unterschiedlich intensiv sein.
Fazit
Die verfügbaren Daten für Deutschland zeigen, dass physische Klimarisiken bereits heute erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen. Die untersuchten Szenarien zeigen, dass das Schadensausmaß in den kommenden Jahrzehnten erheblich zu steigen droht. Für regionale Kreditinstitute sind wachsende Auswirkungen auf Sicherheitenwerte, Bonität regionaler Schuldner und die regionale Risikoexposition insgesamt zu erwarten.
Vor diesem Hintergrund erscheint es geboten, die Investitionen in Klimaanpassung in den kommenden Jahren deutlich auszuweiten. Nur so lassen sich die Klimaschäden auf ein tragbares Maß begrenzen. Im Bereich der kommunalen Klimaanpassung droht dabei eine Finanzierungslücke. Regionale Kreditinstitute können eine aktive Rolle dabei spielen, diese Finanzierungslücke zu schließen, beispielsweise durch Kofinanzierung öffentlich geförderter Anpassungsmaßnahmen.
Insgesamt werden physische Klimarisiken und Klimaanpassung damit zu Faktoren von wachsender Bedeutung für das Risikocontrolling von regionalen Instituten. Auch wenn die Übertragungseffekte physischer Klimarisiken aktuell noch relativ gering erscheinen, wäre es ein Trugschluss anzunehmen, dass dies mittel- und langfristig so bleibt. In der Risikomodellierung können Übertragungseffekte leicht unterschätzt werden, wenn die Modelle einzelne Risikotreiber und ihre Effekte isoliert betrachten, statt auch kumulative Risikoszenarien zu untersuchen.
Nächste Schritte
Kreditinstitute berücksichtigen Klimarisiken bereits grundsätzlich im Rahmen der Risikoinventur. Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, die Wirkungen einzelner Klimarisikotreiber systematisch zu betrachten: Welche physischen Risiken sind regional besonders relevant? Wo gibt es mögliche kumulative Effekte im Portfolio? Welche Portfoliobereiche reagieren sensibel auf wiederkehrende Extremereignisse? Und wo können sich Effekte auf Sicherheiten oder Bonität mittel- bis langfristig verstärken?
Ein weiterer Aspekt betrifft die Rolle regionaler Kreditinstitute bei der Finanzierung von Klimaanpassung. Neben Förderkrediten von Bund und Ländern, etwa über die KfW, kann es künftig verstärkt darum gehen, komplementäre Finanzierungen bereitzustellen, um Anpassungsmaßnahmen vor Ort zu ermöglichen. Auch diese Entwicklungen wirken zurück auf die regionale Risikoexposition und verdienen eine strukturierte Betrachtung.
Wenn Sie zu diesen Fragen Gedanken austauschen oder Ihre Perspektive teilen möchten, freue ich mich über eine Nachricht.
