Wachsende globale Risiken erhöhen Anforderungen an Unternehmensstrategien

Führungskräfte diskutieren strategische Entscheidungen in einem modernen Konferenzraum

Die Risikolandschaft, in der Unternehmen heute agieren, verändert sich mit hoher Geschwindigkeit. Der Global Risks Report 2026 des World Economic Forum zeigt deutlich, dass globale Risiken zunehmen, dynamischer werden und stärker miteinander verknüpft sind. Je nach Zeithorizont gibt es deutliche Unterschiede in Bezug auf die erwarteten Risiken. Während im kurzfristigen Zwei-Jahres-Horizont geopolitische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Risiken dominieren, rücken langfristig im Zehn-Jahres-Horizont ökologische und technologische Risiken in den Vordergrund. Unternehmen stellt diese Entwicklung vor die Herausforderung, ihre Strategien unter sehr komplexen und unsicheren Rahmenbedingungen tragfähig zu gestalten.

Kurzfristige Risiken: geopolitisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich

Visualisierung geopolitischer Risiken und ihrer Auswirkungen auf Investitionen und Märkte

Im Zwei-Jahres-Horizont hat der Global Risks Report Risiken identifiziert, die unmittelbare Auswirkungen auf Märkte, Wertschöpfungsketten und Investitionsentscheidungen haben. An erster Stelle stehen geopolitische und geoökonomische Risiken. Zwischenstaatliche Konflikte und der Einsatz wirtschaftspolitischer Instrumente wie Zölle, Sanktionen, Exportkontrollen oder Subventionsprogramme haben zugenommen und sind miteinander verknüpft. Für Unternehmen erhöht das die Unsicherheit in Bezug auf Marktzugang, Kostenstrukturen und Standortentscheidungen erheblich.

Ebenfalls weit oben rangieren Desinformation, gesellschaftliche Polarisierung und soziale Spannungen. Diese Risiken wirken nicht nur auf politischer Ebene, sondern können konkrete operative Folgen haben, etwa durch regulatorische Eingriffe, Reputationsrisiken oder eine geringere Verlässlichkeit institutioneller Rahmenbedingungen. Extreme Wetterereignisse bleiben auch kurzfristig relevant, insbesondere dort, wo Standorte, Logistik oder kritische Infrastrukturen betroffen sind.

Für Unternehmen heißt das: Kurzfristige Risiken sind weniger durch einzelne Ereignisse geprägt als durch eine erhöhte Volatilität des gesamten Umfelds. Strategische Annahmen zu Lieferkettenstabilität, Nachfrageentwicklung oder politischen Rahmenbedingungen, die bisher galten, verlieren an Tragfähigkeit und sollten hinterfragt werden.

Langfristige Risiken: Umwelt, Technologie und Systemstabilität

Symbolische Darstellung von Klimarisiken durch Dürre und industrielle Umweltbelastung

Über einen Zehn-Jahres-Horizont verschiebt sich laut Global Risks Report der Schwerpunkt der Risiken deutlich. Extreme Wetterereignisse, Biodiversitätsverlust und kritische Veränderungen der Erdsysteme dominieren das langfristige Risikobild. Diese Risiken entfalten ihre Wirkung oft nicht abrupt, sondern schrittweise – mit potenziell tiefgreifenden Folgen für Ressourcenverfügbarkeit, Produktionsbedingungen und Standortattraktivität.

Hinzu kommen langfristige technologische Risiken, insbesondere im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz. Unerwünschte Nebenwirkungen neuer Technologien können gesellschaftliche Spannungen verstärken, regulatorische Reaktionen auslösen oder bestehende Geschäftsmodelle unter Druck setzen. Unternehmen sollten sich darauf einstellen, dass langfristige Wettbewerbsfähigkeit immer stärker von der Fähigkeit abhängt, ökologische und technologische Transformationen aktiv zu gestalten.

Was das für Unternehmensstrategien bedeutet

Die Gegenüberstellung kurzfristiger und langfristiger Risiken macht deutlich, dass Unternehmen vor einer doppelten Herausforderung stehen. Einerseits müssen sie kurzfristig handlungsfähig bleiben, um auf geopolitische Eskalationen, wirtschaftliche Schocks oder regulatorische Eingriffe reagieren zu können. Andererseits dürfen sie langfristige strukturelle Risiken nicht aus dem Blick verlieren, auch wenn diese im Tagesgeschäft weniger sichtbar erscheinen.

Unternehmensstrategien müssen daher zwei Dinge zugleich leisten: Sie müssen eine klare Orientierung in Richtung der strategischen Ziele geben und gleichzeitig flexible Anpassungen auf dem Weg dorthin ermöglichen. Das erfordert eine stärkere Verzahnung von strategischer Planung, Risikoanalyse und Entscheidungsprozessen. Die bestehenden Unsicherheiten in einer komplexen Risikolandschaft können dabei nicht minimiert, aber bewusst in die Strategie integriert werden.

Warum gerade jetzt klare Strategien nötig sind

Angesichts hoher Unsicherheit und sich schnell verändernder Rahmenbedingungen könnte mancher denken, dass Unternehmensstrategien an Bedeutung verlieren. Kurzfristig eingeführte Zölle oder plötzlich eskalierende Konflikte könnten aus dieser Sicht langfristige Strategien obsolet machen.

Diese Überlegung greift jedoch zu kurz. Gerade unter Bedingungen hoher Unsicherheit sind Strategien unverzichtbar. Allerdings funktionieren sie nur, wenn sie anders konzipiert werden als in stabileren Zeiten. Strategien sollten weniger als unveränderbarer Pfad verstanden werden, sondern als klarer Handlungsrahmen, der Prioritäten und Leitplanken für Entscheidungen definiert. Auf diese Weise schaffen Strategien Orientierung, wenn externe Signale widersprüchlich sind, und helfen, auch unter Zeitdruck konsistente Entscheidungen zu treffen.

Entscheidend ist, dass Strategien den Umgang mit unvorhergesehenen Ereignissen explizit berücksichtigen. Dazu gehört die regelmäßige Überprüfung zentraler Annahmen, die systematische Arbeit mit Szenarien sowie die Klarheit darüber, welche Unternehmensziele auch unter veränderten Rahmenbedingungen Bestand haben sollen. Operative Flexibilität ist kein Ersatz für eine konsequent verfolgte Strategie, sondern Teil der Strategieumsetzung innerhalb der gesetzten Leitplanken.

Fazit

Die eskalierende und zugleich fragmentierte Risikolandschaft erhöht die Anforderungen an Unternehmensstrategien. Kurzfristige geopolitische und wirtschaftliche Risiken sowie langfristige ökologische und technologische Veränderungen verstärken die Unsicherheit unternehmerischer Entscheidungen. Unternehmen, die ihre Strategien an diesen Realitäten ausrichten, ihre Annahmen regelmäßig überprüfen und ihre Entscheidungsfähigkeit unter Unsicherheit gezielt stärken, verbessern ihre Chancen, auch in einem volatilen Umfeld handlungsfähig zu bleiben.

Nächste Schritte

Entscheidern, die ihre strategischen Annahmen und Entscheidungsprozesse vor diesem Hintergrund reflektieren möchten, biete ich ein unverbindliches Erstgespräch an. Ziel des Gesprächs ist es, die Situation und Strategie des Unternehmens zu reflektieren.

Im nächsten Schritt könnte ein Strategie-Stresstest sinnvoll sein. Bei diesem Stresstest geht es darum, die bestehende Unternehmensstrategie gezielt unter realistischen Belastungsszenarien zu prüfen und konkrete Ansatzpunkte für mehr strategische Robustheit und Klarheit abzuleiten.

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